Eine Inszenierung von Hasko Weber im Bochumer Schauspielhaus

Bei der Inszenierung des Stückes „Biedermann und die Brandstifter”, welche am 25.02.2017 im Bochumer Schauspielhaus aufgeführt wurde, geht es um das gleichnamige Lehrstück von Max Frisch, welches in der Nachkriegszeit (des 2. Weltkriegs) entstand.

Die Inszenierung erzählt die Geschichte von dem erfolgreichen Unternehmer Gottlieb Biedermann. Dieser lebt zusammen mit seiner herzkranken Frau Babette und ihrem Dienstmädchen Anna. Die Drei leben in einer von Chaos umgebenen Welt. Brände sind an der Tagesordnung und es wird fast durchgehend in den Nachrichten thematisiert, dass in den umliegenden Ortschaften Brände ausbrechen und sich stark ausbreiten. Abgesehen davon, dass Brandstifter für diese Brände verantwortlich waren, weiß man nichts. Als dann eines Tages ein fremder Mann namens Schmitz in die Stadt kommt und bei den Biedermanns um Asyl bittet, was die Familie und Gottlieb ihm gewähren, können sie zunächst nicht ahnen, wie sehr sich ihr Leben verändern wird. Denn die Biedermanns holen sich mit Schmitz und Eisenring zwei Brandstifter in ihr Haus.

Gleich zu Beginn der Inszenierung merkt man, dass sie nahe am Lehrstück gehalten ist. Sofern man es bereits kennt, begegnet man einen bekannten Handlungsverlauf. Jedoch gibt es einige Abweichungen. Wie zum Beispiel, dass die Brandstifter das Publikum um ein Feuerzeug bitten. Dies geschieht im Lehrstück fast genauso, nur dass diese Gottfried um Feuer bitten. Des Weiteren weicht der Chor vom eigentlichen Thema im Original ab, denn im Buch handelt es sich bei dem Chor um Feuerwehrmänner,  in der Inszenierung jedoch um nicht genau identifizierbare Anzugträger. Zudem verwirrt es ein wenig, dass die Chormitglieder zu Akteuren wechseln, ohne einen genauen Zusammenhang feststellen zu können. Im Gegensatz dazu wurde das Stück durch einige, wenn auch kleine, Ergänzungen aktualisiert, wie zum Beispiel mit dem Song „Feuer frei” von Rammstein. Durch diese Modernisierungen ist das Stück mehr oder weniger an moderne Probleme geknüpft. Eines der Beispiele findet man in dem veränderten Nachspiel. Dort wird ein Racheengel mit einem Maschinengewehr gezeigt, welcher stark an einen Terroristen erinnert und somit an den IS. Des Weiteren wird das Feuer auf Bildschirmen beziehungsweise Leinwände projiziert, was an zahlreiche Unglücke aus den Nachrichten erinnert. Zudem werden im Nachspiel  einige Artikel aus dem Grundgesetz vorgetragen und anschließend verbrannt, was ebenfalls vom Lehrstück abweicht. Andererseits zeigt dies jedoch sämtliche Verstöße, beziehungsweise Unterdrückung der vorgetragenen Rechte in Vergangenheit und Gegenwart, auf.

Alles in allem ist die Inszenierung gut gelungen, denn trotz einiger Abweichungen vom Originaltext ist die Handlung gut nachvollziehbar und verdeutlicht das Geschehen. Auch wenn die Bilder der Inszenierung den beim Lesen des Lehrstücks entstandenen  Vorstellungen hin und wieder widersprechen, ist es immer noch nachvollziebar. Zudem kommt hinzu, dass man den Chor in der Inszenierung besser verstehen kann als im Lehrstück, denn er wird mit verteilten Rollen vorgetragen. Somit sind wir der Ansicht, dass sich ein Besuch der Inszenierung lohnt.

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