Die MCG-Inside-RedakteurInnen Gino Bürger, Aaron Koopmann, Lara Rutetzki und Charlieze Schmeckan besuchten Ende Februar 2016 den neuen Herner Oberbürgermeister Dr.Frank Dudda in seinem Büro im Herner Rathaus.
Dort konnten wir ihn 40 Minuten lang interviewen. In seinen ausführlichen Antworten informiert er uns über seine Pläne für Herne, über die neue Bebauung der Herner Innenstadt, die Unterstützung der Flüchtlinge, unsere Schule und seine Ideen zur Jugendpolitik. Lest hier unsere Fragen und Antworten:
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Am Besprechungstisch des Oberbürgermeisters

MCG-Inside: Herr Dr. Dudda, wie kam es eigentlich dazu, dass Sie Oberbürgermeister geworden sind?
Ich wollte gerne Oberbürgermeister dieser Stadt werden, weil ich hier gerne lebe und weil diese Stadt aber auch einige Probleme hat, die ich aus meiner Zeit als Politiker kenne, als ich Fraktionsvorsitzender der SPD war [Fraktion = Gruppe der Abgeordneten einer Parte]). Da habe ich mir die Frage gestellt, ob ich zur Lösung der Probleme der Stadt Herne Ideen habe und da ich solche Ideen hatte und meine Partei mich als Oberbürgermeisterkandidat aufgestellt hat, habe ich mich gerne zu Verfügung gestellt.
MCG-Inside: Hatten Sie auch andere Berufe?
Ja, ich war zunächst an einer Universität, an der ich zuvor Jura studiert hatte, Leiter eines wissenschaftlichen Institutes, anschließend fast 20 Jahre Bundesgeschäftsführer im Gesundheitswesen.
MCG-Inside: Sind Sie Fußballfan?
Ja, mein Herz schlägt für den BVB.

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Besiktas Fanmütze, ein Geschenk aus Istanbul an den Oberbürgermeister
MCG-Inside: Was finden Sie in Ihrem Beruf gut?
Dass man mit vielen engagierten Menschen zusammenarbeitet, und zwar tatsächlich auch beispielsweise in eurer Altersgruppe, denn mit euch kann man auch das zukünftige Stadtgeschehen prägen. Deswegen freue ich mich immer über viele engagierte Schüler und Schülerinnen.
Man hat aber auch mit vielen Leuten zu tun, die Probleme und Schwierigkeiten in ihrem Leben haben, wo nicht immer alles glatt läuft und da kann man auch helfen. Eine wichtige Aufgabe des Oberbürgermeisters ist es schließlich auch, möglichst viele Leute zu gewinnen, die überhaupt dabei mithelfen, dass eine Stadt funktioniert. Beispielsweise ist besonders wichtig, dass möglichst viele Menschen bei den Flüchtlingen aushelfen, oder eben auch bei den Sportvereinen und in den Verbänden. Das finde ich gut, dass man mit diesen Menschen Kontakt hat und dass sie sich auch motivieren lassen, in der Stadt mitzumachen.
MCG-Inside: Wie stehen Sie zum Thema Flüchtlinge?
Das ist ganz schön schwer damit umzugehen. Denn man weiß ja nicht, wie lange die meisten Flüchtlinge überhaupt hierbleiben. Das macht die Flüchtlinge unzufrieden. Und das macht es für uns schwierig zu planen: Wie schnell müssen Sie zum Beispiel Deutsch lernen? Wenn die Flüchtlinge manchmal nur drei Wochen bleiben, dann fängt man mit einem Kurs an, und dann kriegen sie auf einmal den Hinweis, dass sie umziehen müssen. Oder wenn wir jetzt mitbekommen, dass Flüchtlinge hier sind, die aber woanders schon Angehörige haben. Also kommen sie manchmal zwar in Herne an, machen sich dann aber auf den Weg zu anderen Familienmitgliedern, die schon in anderen Städten sind. Das sind alles Schwierigkeiten, und ich muss ehrlich sagen, dass wir uns da ganz schön anstrengen müssen, um die Situation unter Kontrolle zu haben. Bisher ist es uns gut gelungen, denen, die hierbleiben, weiterzuhelfen. Doch wie lange sie hierbleiben, ist eine Frage, die wir heute noch nicht beantworten können.
Das Thema Flüchtlinge ist ja auch ein schweres Thema, bei dem wir ohnehin keine Wahl haben. Wir bekommen Menschen zugewiesen, die in Not sind und müssen uns um sie kümmern. Und das tun wir auch mit Anstand. So wird es auch weiterhin sein. Letztlich entscheidet über ihren weiteren Weg jedoch das Bundesamt für Migration, was sich manchmal enorm viel Zeit lässt, so dass ich den Flüchtlingen bei uns noch nicht einmal sagen kann, wann ihr Antrag bearbeitet wird, geschweige denn, wie es dann ausgeht. Denn viele sind aus verschiedenen Ländern hier eingetroffen, und ihre Anträge werden nicht einfach so akzeptiert, aber das entscheiden wir ja auch nicht.

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Chalieze Schmeckan, 7.2 mit dem Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda

MCG-Inside: Stammen sie eigentlich auch aus Herne?
Ja, ich bin in Sodingen geboren. Ich sehe mich immer als Sodinger und habe Herne auch nie verlassen. Zuletzt habe ich aber für 19 Jahre als Bundesgeschäftsführer gearbeitet. Das heißt, ich war zuständig für die Physiotherapeuten in ganz Deutschland. Deswegen bin ich eigentlich in den ganzen Jahren durch Deutschland gereist und danach kannte ich fast alle größeren Städte in Deutschland. So weiß ich sehr genau, was in Herne gut läuft und was in Herne nicht so gut läuft. Weil ich immer mit offenen Augen genau mit der Frage durch Deutschland gefahren bin, wie sieht Herne eigentlich im Vergleich zu anderen Städten aus. Die meisten Menschen vergleichen uns immer mit Essen oder Dortmund. Doch diese Städte sind viel größer – also müsste man uns eigentlich mit Städten wie Solingen oder Kiel vergleichen. Erstaunlicherweise also der Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein, die eigentlich die gleiche Größe wie Herne hat. Da muss ich ehrlich sagen, muss man auch sehen, dass Herne ein städtisches Umfeld in der Region hat. Nicht alles findet man hier, manches findet man in den Nachbarstädten. Doch deswegen finde ich das hier sehr liebenswert.
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Zum Abschluss macht unser Fotograf Aaron Koopmann, Kl. 8.5, noch ein Bild von allen
MCG-Inside: Was wollen Sie denn ein Herne noch verändern?
Wir brauchen mehr Arbeitsplätze. Das ist das Hauptthema. Weil wir zu viele Menschen haben, die arbeitslos sind und die mit wenig Geld auskommen müssen, erkrankt sind oder weil sie in jungen Jahren keine Arbeit finden. Wir brauchen auf jeden Fall mehr Ausbildungsplätze und Bildungsstätten für alle. Also ich muss mich drum kümmern, mehr Ausbildungsplatz zu bekommen. Dazu brauchen wir mehr Firmen. In der Woche vom 7. bis 11. März gibt es eine ganz wichtige Sache für uns, da geht es um die frage, ob der größte Herner Arbeitgeber, das ist die Firma UPS aus Amerika mit 1200 Mitarbeitern in Herne, noch weitere 300 Arbeitsplätze in Herne schaffen oder leider woanders. Also die Stadt muss insgesamt und auch in der Innenstadt attraktiver werden. In der Innenstadt von Herne haben wir ein tolles Wettbewerbsverfahren geschafft mit der Hoffnung, dass der Hertieumbau stattfindet, der wirklich schick ist und Jugendlichen viele Chancen bietet, auch weil wir neue Gastronomie bekommen können. Dann werden weitere Gebäude in der Innenstadt von Herne folgen und das ist lebenswichtig, damit man öfter in die Stadt geht und auch Zeit in Herne verbringt und sein Geld möglicherweise noch öfter in Herne ausgibt. Der Stadt fehlt das Zentrum. Das Zentrum, also nicht nur Hertie wird neu aufgebaut, sondern auch das hässliche blaue Gebäude daneben, gegenüber von der Weinhandlung Meinberg. Wir sind gerade dabei, noch zu überlegen, wie wird die Viktor-Reuter-Straße neu gestalten können und ob wir dort auf dem Platz etwas machen können. Das heißt also, dass das ganze Zentrum von Herne neu gemacht werden soll. Dann haben wir endlich einen Vorteil und in zwei Jahren haben wir dann die neueste Innenstadt hier.
MCG-Inside: Wird dann auch an die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen gedacht?
Das ist so, dass wir unsere Kinder- und Jugendparlament (KIJUPA) immer wieder einschalten und die Kinder und Jugendliche liefern uns immer gute Ideen, was wir da noch machen können. Die gucken sehr genau auf solche Baumaßnahmen. Das Kinder- und Jugendparlament ist ja auch noch viel zu unbekannt.

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Wie lange bleibt unsere Schule noch eingerüstet?
MCG-Inside: Haben sie noch weitere Pläne für Partnerstädte und wenn ja, wie können wir und als Schule da einbringen?
Also ganz klar- wir versuchen gerade eine türkische Partnerstadt zu bekommen. Das ist nicht irgendeine Stadt, sondern eine der bekanntesten Städte und aus meiner Sicht auch die weltoffenste Stadt der Türkei: Besiktas in Istanbul. Da fragt man sich natürlich: Warum denn Istanbul? Istanbul ist aber auch eine Ansammlung von Städten, die sich unter einem Dach zusammengeschlossen haben, so wie Berlin. Und auch da muss man sagen, wir haben uns Besiktas in Istanbul nicht ausgesucht, sondern wenn man ehrlich ist, haben sie sich bei uns gemeldet und gesagt: „Könnt ihr euch das vorstellen?“ Darüber gibt es im Stadtrat noch unterschiedliche Meinungen.
Wir fahren jetzt im Mai dort hin und wenn das gut klappt, dann muss der Stadtrat darüber noch im Sommer abstimmen. Danach steht schon jetzt fest, dass wir weitere Delegationen dahin schicken würden.
Aber dann wäre als Nächstes auch eine Schulreise nach Istanbul angesagt und deswegen ist es immer gut, wenn eine Schule mir gegenüber signalisiert, dass sie Interesse daran hätte. Das ist selbstverständlich klar.
MCG-Inside: Wenn wir jetzt schon über Schule sprechen, würden wir Sie gerne fragen, wie lang denn unsere Schule, die Mont-Cenis-Gesamtschule, noch eingerüstet bleibt. Wie lange bleiben die Gerüste noch?
Das wüsste ich auch gerne. Die vollständige Fassadensanierung ist sehr teuer. Es gibt aber im Moment einige Überlegungen wie man Schulen, unter anderem auch unsere Schule, besser sanieren kann. Es ist zu prüfen, ob dafür eine Schulsanierungsgesellschaft gegründet werden kann, weil Herne eine arme Stadt ist und nicht mal eben mehrere Millionen Euro für eine Schulfassade ausgeben kann. Dann wird geguckt, was die Sanierung kostet und ob man das vielleicht mit anderen Maßnahmen halbwegs hinbekommen könnte.
Da ihr doch gute Redakteure und Journalisten seid, geht doch mal zu dem Herrn Bruns vom Gebäudemanagement [also nicht der gleichnamige Lehrer an der MCG], da er etwas mit dem Gebäude zu tun hat, und lasst euch einen Termin geben und bringt dann Fotos mit, zeigt ihm das und dann soll er euch da mal was zu sagen.
Ich weiß das schon seit 20 Jahren, denn ich habe auch meine eigene Klasse gestrichen, dass das Geld, was wir zu Verfügung haben, nie ausreicht. Das ist nicht schön, aber wir haben gelernt, in Herne damit umzugehen. Trotzdem darf es nicht sein, dass Fenster nicht schließen oder es darf nicht reinregnen. Dafür haben wir ein Gebäudemanagement und die müssen feststellen das so etwas eben nicht passiert.
MCG-Inside: Vielen Dank, Herr Oberbürgermeister Dr. Dudda, für dieses Gespräch.

Interview: Chalieze Leonie Schmeckan, Lara-Michelle Rutetzki, Gino Migel Bürger
Fotos: Aaron Koopmann, Kl. 8.5
Redaktion: Gina Beste, 8.5
Begleitung: Fr. Spieker